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Feurige Giganten – Abenteuer Vulkane in Zentralamerika

Auf den Spuren glühender Lava, Aschewolken und spektakulärer Ausbrüche


Von guatemala bis Nicaragua
Von guatemala bis Nicaragua

Feurige Giganten – Abenteuer Vulkane in Zentralamerika

Auf den Spuren glühender Lava, Aschewolken und spektakulärer Ausbrüche

Der Boden unter meinen Füßen vibriert leicht. Es ist keine Einbildung – es ist real. Alle zehn Minuten erzittert die Erde, begleitet von einem dumpfen Grollen, das aus den Tiefen des Berges aufsteigt. Glühende Gesteinsbrocken schießen in die Nachtluft, zeichnen orange Linien gegen den sternenklaren Himmel. Das Spektakel spielt sich keine dreihundert Meter von mir entfernt ab.

Willkommen am Volcán de Fuego in Guatemala – einem der aktivsten Vulkane der Welt, und einem von über 40 aktiven Feuerbergen, die die Pazifische Feuerring-Kette durch Zentralamerika bilden.

Der Pazifische Feuerring – Zentralamerikas feurige Wirbelsäule

Zentralamerika liegt auf einer der geologisch aktivsten Zonen der Erde. Die tektonische Cocos-Platte schiebt sich hier unter die Karibische Platte – ein Prozess, der Subduktion genannt wird. Das Resultat: Eine Kette von über hundert Vulkanen, die sich von Guatemala bis Panama erstreckt, von denen etwa 40 noch aktiv sind.

Diese Vulkane haben die Region geformt – buchstäblich. Die fruchtbaren vulkanischen Böden sind ideal für Kaffee- und Kakaoanbau. Die Landschaft ist geprägt von perfekten Kegeln, die sich über tropische Wälder erheben. Heiße Quellen sprudeln aus der Erde. Und ja, gelegentlich gibt es Ausbrüche – manche spektakulär, manche katastrophal.

Nach drei Jahrzehnten des Reisens durch diese Region habe ich gelernt: Die Vulkane sind nicht nur geologische Formationen. Sie sind lebende, atmende Giganten. Sie sind Teil der Kultur, der Spiritualität, der Identität. Die Maya verehrten sie als Götter. Die modernen Bewohner leben in ihrem Schatten – mit einer Mischung aus Respekt, Ehrfurcht und pragmatischer Gelassenheit.

Guatemala – Im Reich der Feuerberge

Guatemala hat 37 Vulkane, drei davon hochaktiv. Das Land ist, geologisch gesehen, ein Pulverfass – aber auch ein Paradies für Vulkan-Enthusiasten wie mich.

Volcán de Fuego – Der Dauerausbrecher

Fuego – "Feuer" – macht seinem Namen alle Ehre. Er ist einer der konstantesten aktiven Vulkane weltweit, mit 60 Eruptionen im 20. Jahrhundert und anhaltender Aktivität bis heute. Ich habe ihn schon von dutzenden Orten aus beobachtet – von Antigua, vom Atitlán-See, von verschiedenen Aussichtspunkten. Aber ihn wirklich zu erleben heißt, seinen Zwillingsvulkan Acatenango zu besteigen.

Die Besteigung des Acatenango (3.976 m) ist keine Spaziergang. Es ist ein 5-6 stündiger Aufstieg, steil, in dünner Luft, physisch fordernd. Aber die Belohnung ist unbezahlbar: Ein Zeltplatz in 3.700 Meter Höhe, mit Blick direkt auf den nur wenige Kilometer entfernten Fuego.

Ich habe diese Tour drei Mal gemacht, und jedes Mal war anders. Bei meinem ersten Mal, vor zehn Jahren, war Fuego relativ ruhig – nur gelegentliche Aschewolken. Beim zweiten Mal, vor fünf Jahren, war er in Hochform: Alle 15 Minuten eine Explosion, glühende Lava floss sichtbar den Hang hinunter.

Das letzte Mal war im März dieses Jahres. Wir erreichten das Basecamp gegen 16 Uhr, völlig erschöpft vom Aufstieg. Die Guides begannen, Zelte aufzubauen und Abendessen zu kochen. Ich setzte mich auf einen Felsen, richtete meine Kamera auf den Fuego, und wartete.

Die Sonne ging unter, tauchte den Vulkan in goldenes Licht. Und dann, in der Dämmerung, begann die Show. Der erste Ausbruch kam um 18:23 Uhr – ich hatte es in meinem Notizbuch festgehalten. Ein dumpfes Grollen, dann ein ohrenbetäubendes BOOM. Eine riesige Aschewolke schoss aus dem Krater, gefolgt von glühenden Gesteinsbrocken, die wie Feuerwerk durch die Luft flogen.

Die gesamte Gruppe – etwa 20 Leute aus aller Welt – brach in spontanen Applaus aus. Auch nach Stunden hörte die Faszination nicht auf. Wir saßen bis tief in die Nacht, in Schlafsäcke gehüllt gegen die beißende Kälte, Augen auf den Feuerberg gerichtet. Alle zehn bis zwanzig Minuten das gleiche Spektakel.

"Das ist besser als jedes Feuerwerk", flüsterte eine junge Französin neben mir.

Sie hatte recht.

Volcán Pacaya – Der zugänglichste aktive Vulkan

Nicht jeder will oder kann die anstrengende Acatenango-Besteigung machen. Für die gibt es Pacaya – nur 2.552 Meter hoch, und erreichbar mit einer relativ einfachen 90-minütigen Wanderung.

Pacaya ist seit 1965 fast ununterbrochen aktiv, aber in den letzten Jahren eher moderat. Ich war das erste Mal 1998 dort, kurz nach einem größeren Ausbruch. Damals reichte die Lava-Aktivität bis zu den Wanderwegen. Man konnte, mit einem Stock und unter Aufsicht der Guides, fast bis an die glühende Lava heran.

Heute ist Pacaya ruhiger, aber immer noch beeindruckend. Der Aufstieg führt durch erstarrte Lavafelder – bizarre, schwarze Landschaften, die an Mondkrater erinnern. Dampf steigt aus Rissen im Boden auf. Unter den Füßen ist das Gestein an manchen Stellen noch warm.

Am Gipfel – oder besser gesagt, auf einer sicheren Plattform unterhalb des aktiven Kraters – kann man den Schwefelgeruch riechen und das Grollen aus dem Inneren des Berges hören. An klaren Tagen sieht man von hier aus bis nach Guatemala-Stadt, 25 Kilometer entfernt.

Was Pacaya besonders macht: Seine Zugänglichkeit. Man kann morgens in Antigua frühstücken, mittags Pacaya besteigen, und abends wieder im Hotel sein. Perfekt für Reisende mit wenig Zeit – oder weniger Abenteuerlust.

Volcán de Agua – Der stille Riese

Agua (3.760 m) ist der Berg, der über Antigua thront – ein perfekter Kegel, meist wolkenverhüllt, still und scheinbar friedlich. Aber er hat eine dunkle Geschichte.

1541 brach der Vulkan nicht aus – aber ein massiver Erdrutsch, ausgelöst durch heftige Regenfälle, schickte eine Schlamm- und Gesteinslawine ins Tal. Die damalige Hauptstadt Ciudad Vieja wurde zerstört, hunderte Menschen starben, darunter die Ehefrau des Konquistadors Pedro de Alvarado.

Heute ist Agua ein beliebter Wanderberg, aber herausfordernd. Die Besteigung dauert 6-8 Stunden, führt durch verschiedene Vegetationszonen, und gipfelt in alpiner Kälte. Ich habe es vor fünf Jahren gemacht – eine der anstrengendsten Wanderungen meines Lebens. Aber der Blick vom Gipfel, mit dem Pazifik auf der einen und dem Karibischen Meer (theoretisch) auf der anderen Seite, war unvergesslich.

Nicaragua – Land der Seen und Vulkane

Nicaragua nennt sich selbst "Land der Seen und Vulkane" – und das ist keine Übertreibung. 19 Vulkane prägen die Landschaft, und einige bieten die spektakulärsten Vulkan-Erlebnisse der Region.

Cerro Negro – Vulkan-Boarding der Extremart

Ich sitze auf einem Holzbrett, ähnlich einem Snowboard, am Rand eines schwarzen Aschekegels. Unter mir eine 40-Grad-steile Abfahrt, bedeckt mit losem, vulkanischem Gestein. Ich trage eine orangefarbene Overall, Schutzbrille und Handschuhe. Mein Guide grinst. "¿Listo?" Bereit?

Nicht wirklich. Aber ich stoße mich trotzdem ab.

Vulkan-Boarding am Cerro Negro bei León ist eines der absurdesten, spaßigsten Abenteuer, die ich je erlebt habe. Der 728 Meter hohe Vulkan ist Nicaraguas jüngster – entstanden erst 1850 – und einer der aktivsten. Sein letzter Ausbruch war 1999.

Die Abfahrt ist chaotisch. Das Board ruckelt über das lose Gestein, Asche wirbelt auf, bedeckt Gesicht und Kleidung. Die Geschwindigkeit nimmt zu – 30, 40, vielleicht 50 km/h. Ich versuche zu bremsen, wie es der Guide erklärt hat, aber die Kontrolle ist minimal. Es ist halb Rodeln, halb kontrollierter Absturz.

Nach etwa 40 Sekunden komme ich unten an, bedeckt von Kopf bis Fuß mit schwarzer Asche, aber grinsend wie ein Idiot. Das ist Vulkan-Abenteuer mal anders.

Der Aufstieg zum Cerro Negro dauert etwa 45 Minuten. Man läuft über lose Lavasteine, jeder Schritt rutscht zur Hälfte zurück. Oben angekommen ist die Aussicht spektakulär: Eine fast perfekt schwarze Ascheformation, umgeben von grünen Feldern. In der Ferne glitzert der Pazifik.

Und dann, natürlich, die Abfahrt. Absolut empfehlenswert – wenn man bereit ist, für Tage Asche aus allen Körperöffnungen zu pusten.

Volcán Masaya – Das Tor zur Hölle

Die Spanier nannten ihn "La Boca del Infierno" – das Tor zur Hölle. Wenn man am Kraterrand steht und in die glühende Lava tief unten im Santiago-Krater blickt, versteht man warum.

Masaya (635 m) ist einzigartig in Zentralamerika: Man kann mit dem Auto fast bis zum Kraterrand fahren. Kein stundenlanges Klettern, keine extremen Höhen. Das macht ihn zum zugänglichsten aktiven Lavakrater der Welt.

Ich war zum ersten Mal 2010 dort, kurz bevor die Lava wieder aktiv wurde. Damals sah man nur Rauch und Dampf. Als ich 2018 zurückkam, hatte sich alles verändert. Im Krater brodelte ein Lavasee – glühend rot-orange, etwa 300 Meter tief im Berg.

Die beste Zeit für einen Besuch ist abends, kurz vor Sonnenuntergang. Wenn die Dämmerung einsetzt, wird das Glühen der Lava sichtbarer, intensiver. Der Krater sieht aus wie ein riesiges Auge, das in die Erde starrt – oder aus ihr heraus.

Der Schwefelgeruch ist überwältigend. Die Parkverwaltung gibt jedem Besucher maximal 45 Minuten am Kraterrand – danach werden die Schwefeldämpfe zu gefährlich. Aber diese 45 Minuten reichen, um die rohe Kraft der Erde zu spüren.

Ein Ranger erzählte mir: "Manchmal, nachts, hört man die Lava brodeln. Es klingt wie ein riesiges Tier, das atmet. Die alten Leute sagen, es sind die Geister der Vorfahren, die im Berg leben."

Ometepe – Die Vulkaninsel

Zwei perfekte Vulkankegel erheben sich aus dem Nicaragua-See: Concepción (1.610 m) und Maderas (1.394 m), verbunden durch eine Landenge. Zusammen bilden sie die Insel Ometepe – ein Ort von mystischer Schönheit.

Ich habe beide Vulkane bestiegen, und beide waren Herausforderungen.

Concepción ist der aktivere und steilere der beiden. Der Aufstieg dauert 6-8 Stunden durch Dschungel, dann Nebelwald, schließlich über lose Lava und Asche. Kurz vor dem Gipfel wird es extrem steil – man klettert mehr, als man läuft. Die letzten hundert Höhenmeter sind ein mentaler und physischer Kampf.

Aber der Gipfel – wow. Der Krater ist riesig, dampft und zischt. Die Aussicht über den Nicaragua-See ist atemberaubend. Und das Gefühl, auf einem aktiven Vulkan zu stehen, der jederzeit ausbrechen könnte (sein letzter Ausbruch war 2010), ist berauschend und beängstigend zugleich.

Maderas ist ruhiger, erloschen seit Tausenden von Jahren. Sein Krater ist mit Wasser gefüllt – eine Lagune, umgeben von Nebelwald. Die Wanderung ist anders – mehr Dschungel, matschiger, rutschiger. Aber die smaragdgrüne Kraterlagune, versteckt wie ein Geheimnis auf dem Gipfel, ist magisch.

Costa Rica – Vulkane mit Wellness-Faktor

Costa Rica hat 61 identifizierte vulkanische Formationen, fünf davon aktiv. Die Costa Ricaner haben gelernt, ihre Vulkane nicht nur zu respektieren, sondern auch zu nutzen – besonders die geothermische Aktivität.

Arenal – Der Postkartenstar

Der Arenal (1.670 m) war bis 2010 einer der aktivsten Vulkane der Welt. Jahrzehntelang konnte man fast täglich Lavaströme und kleine Eruptionen beobachten. Touristen strömten nach La Fortuna, dem nahegelegenen Dorf, nur um das nächtliche Feuerwerk zu sehen.

Dann, 2010, hörte er plötzlich auf. Keine Lava mehr, keine Eruptionen. Nur noch Dampf und gelegentliches Grollen. Wissenschaftler sind sich nicht sicher, ob es eine temporäre Pause oder das Ende eines Zyklus ist.

Ich hatte das Glück, Arenal 2008 in seiner aktiven Phase zu sehen. Wir übernachteten in einer Lodge mit direktem Blick auf den Vulkan. Nachts lag ich im Bett, Vorhänge offen, und beobachtete glühende Gesteinsbrocken, die den Hang hinunterrollten. Es war hypnotisierend.

Heute ist Arenal immer noch beeindruckend – ein perfekter Kegel, meist von Wolken umhüllt, umgeben von üppigem Regenwald. Und die heißen Quellen, gespeist von der vulkanischen Aktivität, sind Weltklasse. Ich habe Abende in natürlichen Thermalbecken verbracht, umgeben von tropischer Vegetation, mit Blick auf den Vulkan. Pura Vida at its best.

Poás – Der schwefelgrüne Kratersee

Poás (2.708 m) beherbergt einen der größten Kraterseen der Welt – eine surreal türkis-grüne Lagune, 300 Meter im Durchmesser, gefüllt mit schwerem Säurewasser (pH-Wert um 0).

Der Zugang zu Poás ist eingeschränkt, seit er 2017 unerwartet ausbrach. Der Ausbruch war nicht massiv, aber unerwartet – eine Erinnerung, dass selbst scheinbar ruhige Vulkane gefährlich sein können.

Als ich 2015 dort war, konnte man noch bis zum Kraterrand gehen. Der See brodelte leicht, Dampf stieg auf. Der Schwefelgeruch war intensiv. Die Farbe des Wassers – dieses unnatürliche Türkis – war außerweltlich.

"Das Wasser ist so sauer", erklärte ein Parkranger, "dass es Metall auflösen würde. Und die Temperatur schwankt zwischen 40 und 90 Grad."

Heute ist der Zugang limitiert – maximal 20 Minuten am Kraterrand, und nur wenn die vulkanische Aktivität niedrig ist. Aber diese 20 Minuten reichen, um einen der bizarrsten Seen der Welt zu sehen.

Rincón de la Vieja – Der vielseitige Vulkan

Rincón de la Vieja (1.916 m) in der Provinz Guanacaste ist mein persönlicher Favorit in Costa Rica – nicht wegen spektakulärer Eruptionen, sondern wegen der Vielfalt vulkanischer Phänomene.

Der Nationalpark bietet alles: Blubbernde Schlammtöpfe, zischende Fumarolen, heiße Quellen, versteckte Wasserfälle, und einen aktiven Krater (der allerdings für Besucher geschlossen ist).

Ich habe einen ganzen Tag damit verbracht, durch den Park zu wandern. Besonders beeindruckend: Las Pailas, ein Gebiet voller geothermischer Aktivität. Hier brodelt der Schlamm in Becken, färbt sich grau-blau von Schwefel und Mineralien. Dampf zischt aus Erdspalten. Der Boden ist an manchen Stellen zu heiß zum Anfassen.

Es ist wie eine Miniaturversion von Yellowstone – und praktisch ohne Menschenmassen.

El Salvador – Kleine Vulkane, große Persönlichkeit

El Salvador mag klein sein, aber es hat 23 Vulkane, einige davon überraschend zugänglich und abenteuerlich.

Santa Ana (Ilamatepec) – Der türkise Kratersee

Mit 2.381 Metern ist Santa Ana der höchste Vulkan El Salvadors. Die Wanderung zum Gipfel dauert etwa 2 Stunden – steil, aber machbar. Die Belohnung: Ein spektakulärer türkisgrüner Kratersee, umgeben von steilen, schwefelgelben Kraterwänden.

Als ich 2012 dort war, war der Zugang noch relativ locker. Man konnte fast bis zum Kraterrand laufen, den See aus nächster Nähe betrachten. Heute, nach kleineren Ausbrüchen in den letzten Jahren, ist der Zugang strenger kontrolliert.

Vom Gipfel des Santa Ana hat man auch Blick auf zwei andere Vulkane: den Izalco und den Coatepeque-See, einen wassergefüllten Krater. Drei vulkanische Formationen auf einen Blick – geologischer Himmel.

Izalco – Der Leuchtturm des Pazifiks

Izalco (1.950 m) wurde 1770 geboren – ja, geboren. An dieser Stelle entstand plötzlich ein neuer Vulkan, der fast 200 Jahre lang praktisch ununterbrochen ausbrach. Die nächtlichen Eruptionen waren so regelmäßig, dass Seeleute ihn als Navigationshilfe nutzten – daher der Name "Leuchtturm des Pazifiks".

1966 hörte er plötzlich auf. Seitdem: Stille.

Die Besteigung ist kurz aber knackig – etwa 1,5 Stunden über lose Lavasteine. Der Gipfel ist karg, schwarz, fast mondartig. Im Krater wachsen ein paar tapfere Büsche, aber sonst herrscht Ödnis.

Aber die Aussicht ist grandios, und das Gefühl, auf einem so jungen Vulkan zu stehen – geologisch gesehen gerade mal ein Säugling – ist faszinierend.

Panama – Die vergessenen Vulkane

Panama wird oft nicht mit Vulkanen assoziiert, aber das Land hat mehrere – wenn auch alle erloschen oder ruhend.

Volcán Barú (3.475 m), der höchste Punkt Panamas, ist technisch gesehen ein Vulkan, wenn auch seit über 500 Jahren inaktiv. Seine Besteigung ist eine Herausforderung – 5-7 Stunden durch Nebelwald und alpines Gelände. Aber von oben kann man, an klaren Tagen, sowohl den Pazifik als auch die Karibik sehen – die einzige Stelle in Amerika, wo das möglich ist.

Die Risiken – Realität hinter der Romantik

So romantisch und aufregend Vulkanbesteigungen auch sind – sie bergen reale Gefahren. Ich habe das selbst mehrfach erlebt.

Plötzliche Ausbrüche: Vulkane sind unberechenbar. 2018 brach Fuego in Guatemala unerwartet heftig aus. Pyroklastische Ströme – tödliche Mischungen aus Gas, Asche und Gestein – rasten den Berg hinunter. Über 200 Menschen starben. Dörfer wurden begraben.

Ich war damals in Antigua. Der Himmel verdunkelte sich mitten am Tag. Asche fiel wie Schnee. Es war beängstigend – und eine brutale Erinnerung, dass diese schönen Berge Killer sein können.

Schwefelgase: Bei Masaya in Nicaragua bin ich einmal zu lange am Krater geblieben. Die Schwefeldämpfe waren so intensiv, dass mir schwindelig wurde. Meine Lungen brannten stundenlang danach.

Höhenkrankheit: Auf dem Acatenango habe ich gesehen, wie Wanderer zusammenbrachen – Übelkeit, Kopfschmerzen, Atemnot. Die dünne Luft über 3.500 Meter ist nicht zu unterschätzen.

Wetterumschwünge: Auf Concepción in Nicaragua wurden wir von einem plötzlichen Sturm überrascht. Sichtweite: null. Temperatursturz von 20 auf 5 Grad in Minuten. Wir irrten eine Stunde im Nebel umher, bevor wir den Weg fanden.

Lose Steine: Auf Agua in Guatemala rutschte ein großer Stein neben mir den Hang hinunter, ausgelöst von einem Wanderer über mir. Er verfehlte meinen Kopf um vielleicht einen Meter.

Die Lektion: Vulkane erfordern Respekt, Vorbereitung und gesunden Menschenverstand. Guides sind nicht nur hilfreich – sie sind oft lebensrettend.

Praktische Tipps für Vulkan-Abenteurer

Nach Dutzenden von Vulkanbesteigungen in der Region, hier meine wichtigsten Ratschläge:

Fitness: Unterschätzt die körperliche Anforderung nicht. Die meisten Besteigungen sind anstrengend – steile Pfade, dünne Luft, große Höhenunterschiede.

Ausrüstung: Gute Wanderschuhe (mit Knöchelstütze), Schichten-Kleidung (es wird kalt oben), Wasser (mindestens 2-3 Liter), Snacks, Sonnenschutz, Kopfbedeckung, Stirnlampe für Nachttouren.

Guides: Bei aktiven Vulkanen nicht optional. Sie kennen die Routen, die aktuellen Bedingungen, und wissen, wann es zu gefährlich wird.

Timing: Früh starten – oft bedeutet das 3-4 Uhr morgens. Man vermeidet Hitze, Nachmittagsgewitter, und erreicht Gipfel bei besserem Wetter.

Akklimatisierung: Bei hohen Vulkanen (3.000m+) erst ein paar Tage auf mittlerer Höhe verbringen.

Versicherung: Unbedingt! Vulkan-Aktivitäten sind riskant. Gute Reiseversicherung mit Helikopter-Evakuierung ist sinnvoll.

Respekt: Wenn Behörden sagen, ein Vulkan ist gesperrt – dann ist er gesperrt. Es gibt Gründe dafür.

Die spirituelle Dimension

Nach all den Jahren und all den Besteigungen habe ich gelernt: Vulkane sind mehr als geologische Phänomene. Sie sind Symbole – für Schöpfung und Zerstörung, für die rohe Kraft der Natur, für die Kleinheit des Menschen.

Auf dem Gipfel des Acatenango, um 4 Uhr morgens, während Fuego alle 15 Minuten explodiert und die Milchstraße über mir funkelt, habe ich oft dieses Gefühl: Ehrfurcht. Pure, überwältigende Ehrfurcht vor der Natur.

Die Maya hatten recht. Diese Berge sind heilig. Nicht im religiösen Sinne (obwohl auch das), sondern im ursprünglichsten Sinne des Wortes: Sie verdienen Respekt, Demut, Staunen.

Zentralamerika ohne Vulkane wäre nicht Zentralamerika. Sie haben die Landschaft geformt, die Böden fruchtbar gemacht, die Kulturen beeinflusst. Sie sind Attraktion und Bedrohung, Schönheit und Gefahr, in einem.

Und ich? Ich werde wiederkommen. Immer wieder. Denn einmal Vulkan-Fieber gefangen, wird man es nie wieder los.

Die besten Vulkan-Abenteuer in Zentralamerika (Ranking nach Schwierigkeit & Spektakel):

Für Anfänger:

  1. Volcán Pacaya (Guatemala) - 2h Wanderung, aktiv, leicht

  2. Volcán Masaya (Nicaragua) - Mit Auto zum Krater, sehr leicht

  3. Cerro Negro (Nicaragua) - Kurzer Aufstieg, Vulkan-Boarding!

Mittelschwer: 4. Volcán Santa Ana (El Salvador) - 2h Aufstieg, schöner Kratersee 5. Arenal (Costa Rica) - Wanderwege (Gipfel gesperrt), Hot Springs 6. Volcán Maderas (Nicaragua/Ometepe) - 6-8h, Kraterlagune

Für Erfahrene: 7. Acatenango (Guatemala) - 6h Aufstieg, Camping, Fuego-Blick - TOP EMPFEHLUNG 8. Volcán Concepción (Nicaragua/Ometepe) - 8-10h, sehr steil, aktiv 9. Volcán de Agua (Guatemala) - 8h, 3.760m, extrem anstrengend

Besonders & Einzigartig: 10. Rincón de la Vieja (Costa Rica) - Geothermische Wunder, Schlammpools 11. Poás (Costa Rica) - Säure-Kratersee, eingeschränkter Zugang 12. Volcán Barú (Panama) - Höchster Punkt Panamas, beide Ozeane sichtbar

Sicherheits-Ampel:

  • 🟢 Grün (sicher): Pacaya, Masaya, Santa Ana, Arenal-Wanderwege

  • 🟡 Gelb (Vorsicht): Acatenango, Maderas, Rincón de la Vieja

  • 🔴 Rot (hohe Risiken): Fuego (Besteigung verboten!), Concepción, aktive Phasen von Poás

Kosten (ca.):

  • Pacaya: $25-40 mit Guide

  • Acatenango (2 Tage): $35-60

  • Masaya Eintritt: $10

  • Cerro Negro + Boarding: $30-40

  • Private Guides: $80-150 pro Tag

¡Respeto a los gigantes de fuego! Respekt den Feuerriesen – sie geben mehr, als sie nehmen, aber sie fordern immer ihren Tribut.

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