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Guatemalas versteckte Schätze – Jenseits der ausgetretenen Pfade

Entdeckungsreise zu den unbekannten Perlen des Maya-Landes

Ein Tucan
Ein Tucan


Der Pickup ruckelt über eine unbefestigte Straße, die sich durch endlose Pinienwälder schlängelt. Links und rechts nur grüne Hügel, gelegentlich ein einsames Haus, Rauch steigt aus den Schornsteinen. Kein Tourist weit und breit. Mein Fahrer, Don Mateo, grinst. "Die meisten Gringos kennen nur Antigua und Atitlán", sagt er. "Aber das echte Guatemala? Das liegt woanders."

Er hat recht. Nach drei Jahrzehnten des Reisens durch Guatemala habe ich gelernt: Die bekanntesten Orte sind schön – keine Frage. Aber die wahren Schätze, die Orte, die einen wirklich berühren, liegen oft abseits der Touristenströme. Orte, wo das Leben noch seinen eigenen Rhythmus hat, wo Traditionen nicht für Kameras inszeniert werden, wo ein Fremder noch ein Ereignis ist.

Heute nehme ich euch mit zu diesen versteckten Perlen Guatemalas.


Nebaj und das Ixil-Dreieck – Im Herzen der Maya-Berge

Die Fahrt von Quetzaltenango nach Nebaj dauert fünf Stunden über Serpentinen, die einem den Magen umdrehen. Aber jede Kurve lohnt sich. Nebaj liegt auf 1.900 Metern Höhe, eingebettet in die Cuchumatanes-Berge – die höchsten nicht-vulkanischen Berge Zentralamerikas.

Nebaj ist das Zentrum des sogenannten Ixil-Dreiecks, zusammen mit den Nachbardörfern Chajul und Cotzal. Die Ixil-Maya hier sprechen ihre eigene Sprache und haben eine der beeindruckendsten traditionellen Trachten Guatemalas bewahrt.

Als ich zum ersten Mal 2005 nach Nebaj kam, war die Stadt gerade dabei, sich von den Narben des Bürgerkriegs zu erholen. Zwischen 1978 und 1983 wurde diese Region besonders hart getroffen – ganze Dörfer wurden ausgelöscht, Tausende flohen in die Berge. Die Armee errichtete "Modelldörfer", um die Bevölkerung zu kontrollieren.

Heute ist Nebaj friedlich, lebendig – und authentisch. Der Markt am Donnerstag und Sonntag ist ein Farbenmeer. Die Ixil-Frauen tragen spektakuläre Huipiles in Rot, Orange, Gelb und Grün mit aufwendigen Stickereien. Auf dem Kopf balancieren sie riesige, runde Kopfschmuckstücke aus bunten Stoffbändern – eine Tradition, die man nur hier sieht.

Ich verbrachte eine Woche in Nebaj, wohnte bei einer Ixil-Familie. Jeden Morgen um 5 Uhr wachte ich vom Klatschen der Tortillas auf – die Mutter der Familie bereitete das Frühstück. Die Küche war ein separater Raum mit offenem Feuer, Rauch stieg durch das Strohdach. Einfach, aber herzlich.

Was man in Nebaj tun kann:

Die Wanderungen rund um Nebaj sind spektakulär. Ich machte eine Tagestour nach Acul, einem kleinen Dorf etwa drei Stunden Fußmarsch entfernt. Der Weg führte durch Kiefernwälder, Maisfelder, vorbei an winzigen Gehöften. Die Aussicht auf die umliegenden Berge war atemberaubend.

In Acul gibt es eine kleine Käserei – Quesos Acul – gegründet von italienischen Entwicklungshelfern in den 1970er Jahren. Der Käse wird nach traditioneller italienischer Methode hergestellt und ist überraschend gut. Ich saß auf einer Holzbank, aß frischen Käse mit Tortillas, trank Kaffee aus lokalen Bohnen, und dachte: Das ist Guatemala, wie es wenige kennen.

Eine andere Wanderung führte mich zu den Wasserfällen von Las Cataratas, versteckt in einem Canyon. Der Weg war rutschig, steil, manchmal gefährlich – aber die Wasserfälle, die sich über mehrere Stufen in türkisfarbene Becken ergießen, waren magisch.

Die dunkle Geschichte verstehen:

Wer Nebaj besucht, sollte auch das Museo Ixil besuchen – ein kleines, aber bewegendes Museum, das die Geschichte der Region erzählt, besonders die Gräueltaten des Bürgerkriegs. Es ist schwere Kost, aber wichtig.

Ich sprach mit einem älteren Ixil-Mann, der als Guide im Museum arbeitet. "Wir wollen nicht, dass die Welt vergisst", sagte er leise. "Aber wir wollen auch, dass sie sieht: Wir haben überlebt. Wir sind immer noch hier. Unsere Kultur lebt."


Livingston – Die afro-karibische Perle am Río Dulce

Livingston ist wahrscheinlich der ungewöhnlichste Ort in ganz Guatemala. Hier spricht man kein Spanisch als Erstsprache, sondern Garifuna und karibisches Englisch. Hier isst man nicht Tortillas, sondern Cassava-Brot. Hier hört man nicht Marimba, sondern Punta und Reggae.

Livingston liegt an der Karibikküste, an der Mündung des Río Dulce ins Meer. Es ist nur per Boot erreichbar – entweder von Puerto Barrios oder, viel spektakulärer, über den Río Dulce von der gleichnamigen Stadt.

Ich habe diese Bootsfahrt auf dem Río Dulce dreimal gemacht, und jedes Mal war sie magisch. Der Fluss schlängelt sich durch eine enge Schlucht, überhängt von üppiger tropischer Vegetation. Palmen, Lianen, Bromelien – es ist wie eine Fahrt durch den Urwald. Gelegentlich sieht man Reiher, Kormorane, wenn man Glück hat einen Eisvogel.

Nach etwa zwei Stunden weitet sich die Schlucht, und man erreicht den El Golfete, einen kleinen See, der Teil des Flusssystems ist. Hier liegt das Biotopo Chocón Machacas, ein Naturreservat, wo man Seekühe (Manatees) beobachten kann – wenn man sehr viel Glück hat. Ich habe sie nie gesehen, aber die Bootsführer schwören, sie seien da.

Dann, nach insgesamt drei Stunden Fahrt, erreicht man Livingston. Und man spürt sofort: Das ist anders.

Die Musik dröhnt aus den Bars – Reggae, Soca, Punta. Die Häuser sind aus Holz, bunt bemalt, auf Stelzen gebaut. Die Menschen sind überwiegend Garifuna – dunkelhäutig, mit afrikanischen und indigenen Zügen. Die Atmosphäre ist entspannt, karibisch, fast wie auf einer Insel, obwohl man auf dem Festland ist.

Ich checkte im Hotel Villa Caribe ein, einem einfachen, aber charmanten Hotel direkt am Wasser. Abends saß ich auf der Veranda, trank eine kalte Gallo, und beobachtete Fischer, die ihre Netze auswarfen. Kinder spielten am Strand, ihre Rufe vermischten sich mit dem Rauschen der Wellen.

Was man in Livingston erleben sollte:

Das Essen ist ein Highlight. Ich ging zu einem kleinen Restaurant namens Bahía Azul und bestellte Tapado – eine Garifuna-Spezialität. Es ist eine Art Meeresfrüchte-Eintopf in Kokosmilch mit Kochbananen, Cassava, Fisch, Garnelen, Muscheln – eine Geschmacksexplosion. Dazu Pan de Coco (Kokosbrot) und frische Limonade.

Am nächsten Tag machte ich einen Ausflug zu den Siete Altares (Sieben Altäre), einer Serie von Wasserfällen und natürlichen Pools etwa 30 Minuten zu Fuß (oder kurz per Boot) von Livingston entfernt. Der Weg führt durch dichten Dschungel am Strand entlang. Die Wasserfälle sind nicht spektakulär hoch, aber die Pools sind perfekt zum Schwimmen – frisches, klares Wasser, umgeben von tropischer Vegetation.

Die Garifuna-Kultur erleben:

Abends ging ich in eine kleine Bar, wo eine Garifuna-Band spielte. Die Punta-Musik ist mitreißend – afrikanische Trommeln, schneller Rhythmus. Die Tänzer bewegten sich mit einer Energie und Geschmeidigkeit, die ich nur bewundern konnte.

Ein älterer Mann namens Ruben erzählte mir die Geschichte der Garifuna: "Unsere Vorfahren kamen von St. Vincent in der Karibik. Die Briten deportierten sie 1797, und sie landeten hier, in Roatán, Honduras. Von dort verbreiteten sie sich entlang der Küste – Honduras, Guatemala, Belize, Nicaragua. Wir sind Afrikaner, aber auch Kariben, auch Latinos. Wir sind eine eigene Kultur."

2001 erklärte die UNESCO die Garifuna-Sprache, Musik und Tanz zum "Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit". In Livingston kann man diese lebendige Kultur hautnah erleben.


Todos Santos Cuchumatán – Das vergessene Hochlanddorf

Todos Santos liegt auf 2.500 Metern Höhe in den Cuchumatanes-Bergen, etwa zwei Stunden von Huehuetenango entfernt. Die Straße dorthin ist abenteuerlich – unbefestigt, voller Schlaglöcher, mit spektakulären Ausblicken über tiefe Täler.

Aber die Fahrt lohnt sich. Todos Santos ist eines der am besten erhaltenen traditionellen Maya-Dörfer Guatemalas. Die Mam-Maya hier tragen immer noch ihre traditionelle Kleidung – und zwar täglich, nicht nur für Touristen.

Die Männer tragen rote Hosen mit weißen Streifen, bestickte Hemden und Strohhüte mit bunten Bändern. Es ist eine der wenigen Orte in Guatemala, wo auch Männer noch traditionelle Tracht tragen. Die Frauen tragen dunkelblaue Röcke und kunstvoll gewebte Huipiles.

Ich besuchte Todos Santos zum ersten Mal während des Todos Santos Horse Race am 1. November – Allerheiligen. Dieses verrückte Spektakel ist eine Mischung aus Pferderennen, Trinkritualen und religiöser Zeremonie.

Die Reiter – alle betrunken, manche kaum noch im Sattel – galoppieren durch die Hauptstraße des Dorfes, immer und immer wieder, stundenlang. Nach jeder Runde trinken sie mehr Aguardiente (Zuckerrohrschnaps). Viele fallen vom Pferd, stehen auf, steigen wieder auf, reiten weiter. Es ist chaotisch, gefährlich, und absolut faszinierend.

"Das machen wir seit Jahrhunderten", erklärte mir ein lokaler Mann, selbst schon ziemlich betrunken. "Es ehrt die Ahnen. Je mehr du trinkst, je länger du reitest, desto mehr zeigst du Respekt."

Abends verwandelt sich das Dorf in eine riesige Party. Marimba-Bands spielen, die Menschen tanzen auf der Straße. Feuerwerk explodiert in der Nacht. Es ist chaotisch, laut, authentisch.

Wanderungen und Alltag:

Außerhalb der Fiesta-Zeit ist Todos Santos ruhig, fast verschlafen. Ich verbrachte drei Tage dort, wohnte in einem einfachen Hostel namens Casa Familiar.

Die Wanderung nach La Torre ist ein Muss – ein Aussichtspunkt auf einem Hügel über dem Dorf, etwa 45 Minuten Aufstieg. Von dort hat man einen 360-Grad-Blick über das Tal, die umliegenden Berge, das winzige Dorf tief unten. Bei klarem Wetter kann man bis nach Mexiko sehen.

Eine längere Wanderung führt nach San Juan Atitán, einem noch abgelegeneren Dorf, etwa 6-7 Stunden Fußmarsch durch die Berge. Der Weg ist anstrengend, aber die Landschaften – steile Täler, Kiefernwälder, Maisfelder an unmöglichen Hängen – sind atemberaubend.

In Todos Santos spürt man die Höhe. Die Nächte sind kalt – ich schlief unter drei Decken. Die Luft ist dünn, man wird schnell müde. Aber es gibt eine Klarheit hier, eine Ruhe, die in den touristischen Zentren verloren gegangen ist.


Esquipulas – Das Pilgerzentrum Zentralamerikas

Esquipulas, nahe der honduranischen Grenze, ist kein Geheimtipp – zumindest nicht für Mittelamerikaner. Für sie ist es eines der wichtigsten Pilgerziele der Region. Aber für internationale Touristen? Praktisch unbekannt.

Das Herzstück von Esquipulas ist die Basílica de Esquipulas, eine massive weiße Kolonialkirche, die den Schwarzen Christus (Cristo Negro) beherbergt – eine dunkelhäutige Christusfigur, die seit dem 16. Jahrhundert verehrt wird.

Ich war das erste Mal während der Semana Santa (Karwoche) in Esquipulas. Es war überwältigend. Hunderttausende von Pilgern – aus Guatemala, Honduras, El Salvador, Nicaragua – strömten in die Stadt. Viele kamen zu Fuß, manche von hunderte Kilometer entfernt.

Die Straßen zur Basilika waren verstopft mit Menschen. Viele rutschten auf Knien über das Kopfsteinpflaster – ein Zeichen extremer Hingabe. Frauen trugen Kerzen, doppelt so groß wie sie selbst. Männer schleppten schwere Kreuze. Die Luft war erfüllt vom Duft des Weihrauchs und dem Murmeln unzähliger Gebete.

In der Basilika selbst war es noch intensiver. Die Menschen drängten sich zur Statue des Schwarzen Christus, berührten sie, weinten, beteten inbrünstig. Ich sah Frauen, die offensichtlich um Heilung für kranke Kinder flehten. Männer, die für Arbeit dankten. Familien, die gemeinsam beteten.

Es war bewegend – selbst für mich als Nicht-Gläubigen. Die rohe Emotion, der tiefe Glaube, die Hoffnung dieser Menschen war spürbar.

Warum der Schwarze Christus?

Es gibt verschiedene Theorien. Einige sagen, die Statue wurde absichtlich dunkel gemacht, um die indigene und mestizische Bevölkerung anzusprechen – ein Christus, der aussieht wie sie. Andere sagen, die originale Statue war aus dunklem Holz geschnitzt, wieder andere behaupten, sie wurde durch Jahrhunderte von Kerzenrauch geschwärzt.

Was auch immer der Grund – der Schwarze Christus ist zu einem Symbol geworden. Einem Symbol für die marginalisierten, die armen, die dunkelhäutigen Menschen Zentralamerikas. Er ist "ihr" Christus.

Außerhalb der Pilgersaison:

Ich kam ein zweites Mal nach Esquipulas, diesmal im Oktober, weit weg von großen religiösen Feiertagen. Die Stadt war fast leer, gespenstisch ruhig. Die zahllosen Hotels und Restaurants, die von Pilgern leben, waren geschlossen.

Aber es hatte seinen eigenen Charme. Ich konnte die Basilika in Ruhe erkunden, ohne Menschenmassen. Die Architektur ist beeindruckend – massiv, imposant, mit vier großen Türmen. Das Innere ist überraschend schlicht für eine so wichtige Kirche, aber das lenkt nur die Aufmerksamkeit auf die Statue selbst.

Cueva de las Minas:

Wenige Kilometer außerhalb von Esquipulas liegt eine wenig bekannte Höhle – Cueva de las Minas. Hier wurde das Holz abgebaut, aus dem angeblich die Statue des Schwarzen Christus geschnitzt wurde (zumindest der Legende nach). Die Höhle selbst ist klein, aber interessant – mit Stalaktiten, einem unterirdischen Fluss, und Fledermäusen.


Monterrico – Der schwarze Strandort am Pazifik

Während die Karibikküste Guatemalas spektakulär ist, wird die Pazifikküste oft ignoriert. Zu Unrecht. Monterrico ist ein kleiner Badeort an der Pazifikküste, bekannt für seine schwarzen Vulkansandstrände und als Brutplatz für Meeresschildkröten.

Die Fahrt von Guatemala-Stadt dauert etwa 3-4 Stunden. Die letzten Kilometer führen durch Mangrovenkanäle – man muss eine Fähre nehmen, ein kleines Holzboot, das mit einem Seil über den Kanal gezogen wird. Es ist wie eine Zeitreise.

Monterrico selbst ist entspannt, fast verschlafen. Die Hauptstraße – unbefestigt, sandig – läuft parallel zum Strand. Kleine Hotels, Restaurants, Bars reihen sich aneinander. Palmen säumen die Straße. Hängematten schaukeln im Wind.

Der Strand ist beeindruckend – kilometerlang, breit, mit schwarzem Vulkansand, der in der Sonne glitzert. Die Wellen sind stark – der Pazifik hier ist nicht zum gemütlichen Plantschen, sondern für Surfer und mutige Schwimmer.

Ich verbrachte drei Tage in Monterrico, wohnte im Hotel Pez de Oro, einem einfachen Beach-Hotel mit Blick aufs Meer. Jeden Morgen wachte ich vom Rauschen der Wellen auf, frühstückte auf der Terrasse (frisches Obst, Rührei, Bohnen, Kaffee), und verbrachte den Tag zwischen Strand, Hängematte und Pool.

Schildkrötenschutz:

Monterrico ist Teil des Biotopo Monterrico-Hawaii, eines Naturschutzgebietes für Mangroven und Meeresschildkröten. Vier Arten von Meeresschildkröten legen hier ihre Eier – hauptsächlich Oliv-Bastardschildkröten und Lederschildkröten.

Ich besuchte das Tortugario Monterrico, eine Aufzuchtstation für Schildkröten. Hier werden Eier von bedrohten Stränden gesammelt, geschützt ausgebrütet, und die Jungtiere dann freigelassen.

Als ich dort war, hatte ich das Glück, bei einer Freilassung von Baby-Schildkröten dabei zu sein. Etwa 50 winzige Schildkröten, gerade geschlüpft, wurden am Strand platziert. Sie krabbelten instinktiv Richtung Meer, ihre kleinen Flossen arbeiteten wie verrückt im Sand.

Viele würden es nicht schaffen – Vögel, Krebse, Fische würden sie fressen. Von 1.000 geschlüpften Schildkröten erreichen statistisch nur 1-2 das Erwachsenenalter. Aber zuzusehen, wie diese winzigen Kreaturen ihren Weg zum Ozean suchten, war bewegend.

Bootsfahrt durch die Mangroven:

Ein anderes Highlight war eine Bootsfahrt durch die Mangroven-Kanäle. Diese Kanäle schlängeln sich durch ein riesiges Mangroven-Labyrinth – das größte an der Pazifikküste Guatemalas.

Während der Fahrt sah ich Reiher, Kormorane, Kaimane (die sich als Baumstämme tarnten), Leguane, und unzählige Krabben. Unser Guide erklärte die ökologische Bedeutung der Mangroven – Brutplätze für Fische, Schutz vor Erosion, CO2-Speicher.

"Aber sie sind bedroht", sagte er. "Shrimp-Farmen zerstören die Mangroven. Wir versuchen sie zu schützen, aber es ist schwer."

Das Essen:

Monterrico ist auch ein Paradies für Seafood-Liebhaber. Ich aß frischen Fisch, Garnelen, Ceviche – alles fangfrisch aus dem Pazifik. Ein kleines Restaurant namens Divino Maestro servierte mir den besten Pescado Frito (gebratener Fisch) meines Lebens – eine ganze Mojarra (Barsch), knusprig gebraten, serviert mit Reis, Salat, Tortillas, und einer pikanten Tomaten-Zwiebel-Salsa.

Abends saß ich in einer Strandbar, trank eine kalte Cerveza, und beobachtete den Sonnenuntergang über dem Pazifik. Der Himmel explodierte in Orange, Rosa, Violett. Fischer zogen ihre Boote an Land. Pelikane tauchten nach letzten Fischen.

Das ist Monterrico. Kein Luxus-Resort, keine perfekte Infrastruktur. Aber authentisch, entspannt, schön.


El Mirador – Die vergessene Maya-Metropole

Für die wirklich Abenteuerlustigen gibt es El Mirador – die größte Maya-Stadt, die je gebaut wurde, versteckt tief im Dschungel von Petén, und nur zu Fuß oder per Helikopter erreichbar.

Ich war 2010 dort – eine der anstrengendsten, aber auch unvergesslichsten Reisen meines Lebens.

Die Tour beginnt in Carmelita, einem winzigen Dorf an der Grenze zum Dschungel. Von dort sind es 5-6 Tage Wanderung – hin und zurück – durch dichten Regenwald, sumpfige Gebiete, über uralte Maya-Wege.

Die erste Etappe nach El Tintal, einer kleineren Maya-Ruine, dauerte 6 Stunden. Wir – eine kleine Gruppe von sechs Touristen, zwei Guides, drei Mulasführer (für die Ausrüstung) – marschierten durch den Dschungel. Die Hitze war brutal, die Luftfeuchtigkeit drückend. Moskitos und andere Insekten waren allgegenwärtig.

Am Abend erreichten wir ein Camp – einfache Hängematten mit Moskitonetzen, ein Lagerfeuer, ein Koch, der überraschend gutes Essen aus dem Nichts zauberte.

Am nächsten Tag ging es weiter. Durch Sumpfgebiete, wo wir bis zur Hüfte im Wasser wateten. Durch dichten Dschungel, wo Lianen jeden Schritt behinderten. Wir sahen Brüllaffen, Tukane, einen Tapir (aus der Ferne), unzählige Schmetterlinge.

Nach zwei Tagen erreichten wir El Mirador.

Und es war spektakulär. Die Danta-Pyramide – mit 72 Metern Höhe eine der größten Pyramiden der Maya-Welt (sogar höher als die meisten in Tikal) – ragt über den Dschungel. Der Aufstieg ist steil, schweißtreibend, aber der Blick vom Gipfel ist unbezahlbar.

Ein Meer aus grünen Baumkronen, soweit das Auge reicht. Und aus diesem Meer ragen andere Pyramiden hervor – La Tigre, der Komplex der Jaguar-Tatzen, dutzende andere Strukturen, die meisten noch völlig vom Dschungel überwuchert.

El Mirador war zwischen 600 v. Chr. und 150 n. Chr. eine der größten Städte der Welt. Archäologen schätzen, dass hier über 100.000 Menschen lebten – mehr als im klassischen Tikal. Aber dann wurde sie verlassen, vom Dschungel verschluckt, und für über 1.500 Jahre vergessen.

Heute ist nur ein Bruchteil ausgegraben. Die meisten Strukturen sind noch Hügel im Dschungel, die nur ein geübtes Auge als Pyramiden erkennt.

Warum so schwer erreichbar?

El Mirador liegt im Mirador-Río Azul National Park, einem der letzten großen unberührten Regenwälder Zentralamerikas. Es gibt keine Straßen, und das ist Absicht. Der Park ist Heimat von Jaguaren, Pumas, Tapiren, Affen – und man will es so halten.

Es gibt Pläne für einen Helikopter-Service und sogar eine Straße, aber Naturschützer kämpfen dagegen. "Wenn es einfach wird, hierher zu kommen", sagte unser Guide, "wird El Mirador wie Tikal – überlaufen, kommerzialisiert. Jetzt ist es noch wild, ursprünglich."

Die Rückwanderung war noch härter als der Hinweg – müde Beine, Blasen an den Füßen, leere mentale Batterien. Aber als wir nach fünf Tagen Carmelita erreichten, fühlte ich mich wie ein Eroberer.

El Mirador ist nichts für jeden. Man braucht gute Fitness, mentale Stärke, und die Bereitschaft, Komfort komplett hinter sich zu lassen. Aber für die, die es schaffen – es ist eine Erfahrung, die man nie vergisst.


Cobán und die Höhlen von Lanquín – Kaffee und Kalkstein

Cobán, die Hauptstadt des Departements Alta Verapaz, ist bekannt als Kaffeehauptstadt Guatemalas. Die Region produziert einige der besten Arabica-Bohnen der Welt, dank idealer Bedingungen – Höhe, Nebelwald, vulkanische Böden.

Ich besuchte die Finca Santa Margarita, eine Kaffeeplantage am Stadtrand. Die Tour führte durch den gesamten Prozess – vom Anbau über die Ernte (die Kirschen werden von Hand gepflückt) bis zur Röstung. Am Ende eine Verkostung von verschiedenen Röstungen – jede mit eigenen Noten, von schokoladig bis fruchtig.

"Kaffee ist nicht nur ein Getränk für uns", sagte der Plantagenbesitzer. "Es ist unsere Geschichte, unsere Identität. Deutsche Einwanderer brachten den Kaffeeanbau im 19. Jahrhundert hierher. Viele ihrer Nachfahren betreiben immer noch Plantagen."

Tatsächlich sieht man in Cobán viele deutsche Namen – Finca Dieseldorff, Hotel La Posada, Restaurant Kam-Mun (okay, das ist chinesisch, aber trotzdem). Die deutsche Gemeinde war hier einst groß und einflussreich.

Die Höhlen von Lanquín:

Etwa 60 Kilometer von Cobán liegt Lanquín, ein verschlafenes Dorf, bekannt für seine spektakulären Höhlen.

Die Cuevas de Lanquín sind ein riesiges Höhlensystem, durch das ein Fluss fließt. Man kann etwa 400 Meter tief in die Höhle gehen – durch enge Passagen, über rutschige Felsen, immer begleitet vom Rauschen des unsichtbaren Flusses tief unten.

Die Höhle ist Heimat von Tausenden von Fledermäusen. Jeden Abend bei Sonnenuntergang gibt es ein Spektakel: Die Fledermäuse verlassen die Höhle auf Nahrungssuche – ein schwarzer Strom, der wie Rauch aus dem Höhleneingang strömt, sich spiralförmig in den Himmel schraubt, und dann in alle Richtungen davonfliegt. Es dauert 30-40 Minuten, bis alle draußen sind.

Ich saß auf einem Felsen, beobachtete das Schauspiel, und fühlte mich wie in einem Naturfilm. Die Guides sagten, es seien über 5 Millionen Fledermäuse. Ich glaube es.



Livingston
Livingston

– Die heißen Quellen am Highway

Río Hondo ist eigentlich keine klassische Destination – es ist eine Stadt an der Hauptstraße zwischen Guatemala-Stadt und der Karibikküste. Die meisten Reisenden halten hier nur kurz, um zu tanken oder zu essen.

Aber Río Hondo hat ein Geheimnis: Heiße Quellen, versteckt in den Bergen nördlich der Stadt.

Die Aguas Calientes von Río Hondo sind ein Komplex natürlicher heißer Pools, gespeist von geothermischen Quellen. Das Wasser ist zwischen 35 und 45 Grad warm – perfekt, um müde Reiseknochen zu entspannen.

Ich entdeckte sie durch Zufall bei meiner dritten oder vierten Durchfahrt. Ein Schild am Straßenrand: "Aguas Calientes 5 km". Neugierig folgte ich der Schotterpiste und landete in einem kleinen Paradies.

Es gibt mehrere Anlagen – von rustikal (natürliche Pools, keine Infrastruktur) bis semi-luxuriös (geflieste Pools, Restaurant, Kabinen). Ich entschied mich für Longarone, eine mittelgroße Anlage mit schöner Landschaft.

Die Pools sind in eine tropische Gartenanlage eingebettet. Ich verbrachte Stunden im warmen Wasser, las ein Buch, döste, beobachtete Kolibris. Abends, wenn die Tagestouristen weg waren, hatte ich einen Pool fast für mich allein.

Es ist kein spektakuläres Erlebnis, aber genau das ist der Charme. Ein Ort, wo Guatemalteken hinkommen, um zu entspannen – keine Touristenmassen, keine Verkaufsstände, nur warmes Wasser und Ruhe.


Warum diese Orte?

Am Ende von drei Jahrzehnten Guatemala-Reisen habe ich gelernt: Die bekanntesten Orte sind beliebt aus einem Grund – sie sind wirklich schön. Antigua ist spektakulär. Atitlán ist atemberaubend. Tikal ist weltklasse.

Aber diese weniger bekannten Orte haben etwas, das in den Top-Destinations oft verloren geht: Authentizität. Hier wird das Leben noch gelebt, nicht inszeniert. Hier ist man Gast, nicht Kunde. Hier passieren echte Begegnungen.

In Nebaj teilte eine Ixil-Familie ihr Essen mit mir, ohne dafür Bezahlung zu erwarten. In Livingston lud mich ein Garifuna-Musiker ein, bei ihrer Probe zuzuschauen. In Todos Santos half mir ein alter Mann, der kein Wort Spanisch sprach, nur Mam, seinen Weg zu finden – mit Gesten, Lächeln, Geduld.

Das sind die Momente, für die ich reise. Nicht für Instagram-Fotos (obwohl die Landschaften hier genauso spektakulär sind). Sondern für echte Verbindungen, für das Gefühl, etwas Neues, Unbekanntes, Authentisches zu entdecken.

Guatemala hat so viel mehr zu bieten als die Top 5 auf jeder Bucket List. Man muss nur bereit sein, ein bisschen tiefer zu graben, ein bisschen weiter zu fahren, ein bisschen mehr zu wagen.

Praktische Informationen:

Nebaj:

  • Anreise: Von Quetzaltenango 5h, von Guatemala-Stadt 8h

  • Unterkunft: Hotel Villa Nebaj (Budget), Hotel Turansa (Mittelklasse)

  • Beste Zeit: November-April (Trockenzeit)

  • Besonders: Markt Do & So, Ixil-Kultur, Wanderungen

Livingston:

  • Anreise: Nur per Boot von Puerto Barrios (30 min) oder Río Dulce (3h)

  • Unterkunft: Hotel Villa Caribe, Hotelito Perdido (Eco-Lodge)

  • Beste Zeit: Ganzjährig (heiß & feucht)

  • Besonders: Garifuna-Kultur, Río Dulce-Bootsfahrt, Tapado

Todos Santos Cuchumatán:

  • Anreise: Von Huehuetenango 2h (Chicken Bus oder Pickup)

  • Unterkunft: Casa Familiar, Hotelito Todos Santos

  • Beste Zeit: Sept-April, aber Pferderennen 1. Nov!

  • Höhe: 2.500m – kann kalt sein!

Esquipulas:

  • Anreise: Von Guatemala-Stadt 3,5h, nahe Honduras-Grenze

  • Unterkunft: Viele Pilger-Hotels (günstig aber einfach)

  • Beste Zeit: Karwoche erleben ODER meiden (je nach Präferenz)

  • Besonders: 15. Januar (Hauptfest des Schwarzen Christus)

Monterrico:

  • Anreise: Von Guatemala-Stadt 4h, letztes Stück per Fähre

  • Unterkunft: Hotel Pez de Oro, Johnny's Place

  • Beste Zeit: November-April (Trockenzeit)

  • Besonders: Schildkröten-Freisetzung (Saison beachten)

El Mirador:

  • Anreise: 5-6 Tage Trek von Carmelita

  • Kosten: ~400-600 USD (inkl. Guide, Träger, Essen, Camp)

  • Fitness: Hoch – nichts für Anfänger!

  • Beste Zeit: Februar-April (trockenster Teil der Trockenzeit)

Cobán & Lanquín:

  • Anreie: Von Guatemala-Stadt 4-5h

  • Unterkunft: In Cobán oder Lanquín (näher zu Semuc Champey)

  • Fledermaus-Spektakel: Täglich bei Sonnenuntergang

  • Kaffee-Touren: Ganzjährig, Ernte Nov-März

Río Hondo:

  • Anreise: An der CA-9 zwischen Guate-Stadt & Puerto Barrios

  • Aguas Calientes: 5-10 km nördlich der Stadt

  • Eintritt: 30-50 Quetzales (~4-6 EUR)

  • Perfekt: Als Zwischenstopp auf längeren Fahrten

Guatemala es más que Antigua y Atitlán – hay tanto por descubrir. Guatemala ist mehr als Antigua und Atitlán – es gibt so viel zu entdecken.


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